Leserbriefe „Mehr als nur ein Bolzplatz“ SZ 25.01.

Leserbriefe zum Artikel „Mehr als nur ein Bolzplatz“ vom 25. Januar

Lebensqualität zerstört

Als namentlich zitierter Teilnehmer dieser Veranstaltung möchte ich einiges klarstellen.

Die Vorstellung, die die GeWoFAG am 24.01. gegeben hat, war hervorragend organisiert und vorbereitet. Sämtliche betroffene Referate waren vertreten und haben sich den Fragen gestellt und Herr Dengler ist auch souverän damit umgegangen, als der Plan, die Teilnehmer auf verschieden Stände zu zerstreuen, abgelehnt worden ist. Er hat der Stadtverwaltung vorgeführt, wie man respektvoll mit Bürgern umgeht.

Das fehlende Interesse der Bürger an der Mitgestaltung ist verständlich. Was auch sollten sie gestalten. Wenn gebaut wird, ist es egal, welche Dachform die Häuser bekommen und wie sie gestaltet werden. Das ist Sache der Planer. Auch das Angebot eines Begegnungsraumes ist eher als Trostpflaster zu verstehen denn als Zugewinn. Erst kürzlich hat 200m entfernt ein Bürgertreff seine Pforten eröffnet. Ob die künftig private Grünfläche von der öffentlichen Fläche durch Zaun oder Hecke abgetrennt wird, kann das Problem der Beeinträchtigung der Wohnungen durch den Spielbetrieb nicht lösen. Hier ist Ärger vorprogrammiert. Und ich glaube nicht, dass sozial Schwächere weniger Recht auf Ruhe haben und dieses Recht durch Klauseln im Mietvertag ausgehebelt werden kann.

Auch das Angebot, bei der Gestaltung der Restfläche mitzureden, ist zwar gut gemeint, läuft aber trotzdem ins Leere. Wir wollen gar nicht, dass diese Fläche gestaltet wird. Wir wollen keine Wege und keine Blumenrabatten und sind zufrieden, wenn wie jetzt die Wiese regelmäßig gemäht wird und irgendwo ein paar Bänke aufgestellt werden. Das genau macht diese Fläche so vielseitig und einzigartig.

Die Unnützwiese steht stellvertretend dafür, dass nunmehr alle städtischen Grünflächen und Parks Gefahr laufen, der Wohnungsnot geopfert zu werden. Damit wird viel Lebensqualität zerstört, aber das Problem nicht zu lösen sein, so lange wie die Stadt immer weitere Gewerbeflächen(jüngst 35.000 qm) statt neue Wohngebiete ausweist.

Und sie steht auch dafür, dass der Bürgerwille eigentlich nicht zählt und die Stadtpolitiker sich nach Belieben über ihre eigenen Satzungen hinwegsetzen.

Helmut Köpf

Städtebauliche Fehlentscheidung

Um die Reaktion der Bevölkerung bei der Infoveranstaltung der Gewofag verstehen zu können, ist die Vorgeschichte von Bedeutung. Am Anfang stand die Planung von 3.000 Wohnungen (Projekt„Wohnen für alle“) in einem geheimen Verfahren ohne jegliche Beteiligung der Bürger, die in einem nichtöffentlichen Beschluss des Stadtrats mündete. Beteiligte Stadträte gaben zu, es habe keine Einzelfallprüfung stattgefunden, bei einer Einzelentscheidung hatten sie der Bebauung der Unnützwiese nie zugestimmt. Vor einer Bürgerversammlung, bei der ein Vielfaches der normalen Teilnehmerzahl mit überwältigender Mehrheit eine Nichtbebauung forderte, hatte OB Reiter bereits erklärt, an dem Entschluss nicht zu rütteln. Vertreter der Stadtplanung waren dort nicht anwesend, was Versammlungsleiter Podiuk scharf rügte. Das Nichterscheinen wurde mit einem Missverständnis entschuldigt und eine Infoveranstaltung mit der Gewofag versprochen. Bei dieser wollte dann die Moderatorin die Teilnehmer nach einem Einführungsreferat des Geschäftsführas der Gewofag aus dem Plenum zu einzelnenWorkshops schicken und Fragen im Plenum nicht zulassen, sofern sie nicht im vorhinein auf Zetteln eingereicht worden seien. Dies erfolgte in derart schulmeisterlicher Art und Weise, dass sich die Zuhörer zusätzlich provoziert fühlten. Spätestens in der dann doch zugelassenen Diskussion wurde klar, dass die Darstellung, die Stadträte des Bezirks hätten einen „Teilbebauungskompromiss“ erreicht, unzutreffend ist. Selbst da Vertreter der LBK, dessen Ausführungen zur Genehmigungsfähigkeit teilweise ungläubiges Staunen auslösten, kam zu keiner höheren Bebaubarkeit als jetzt (und von Anfang an) geplant. Dass die Truderinger sich nicht ernstgenommen fühlen und von Stadträten, Bezirksausschussmitgliedern und Verwaltung in höchstem Maße enttäuscht sind, kann niemanden wundern. Noch wäre Gelegenheit, die Argumente der Bürgerinitiative zu würdigen und eine städtebauliche Fehlentscheidung zu revidieren.

Wolfgang Gurmuth, München